Oder: Wie man beim AMS gleichzeitig zu viel und zu wenig will
Ich habe eine relativ einfache Frage gestellt.
Ob es AMS-geförderte Studiengänge gibt.
Die Antwort kam schnell.
Und sie war klar. Das AMS sei keine Studien-Stipendienstelle.
Das ist ein Satz, der weniger erklärt als beendet.
Er beendet die Möglichkeit, bevor man überhaupt weiß, wie sie aussieht. Ich habe nämlich nicht nach einem Stipendium gefragt.
Ich habe gefragt, ob es einen Weg gibt.
Dann kam der Gesetzestext
Arbeitsfähigkeit.
Verfügbarkeit.
20 Stunden Mindestarbeitszeit.
Das Problem an solchen Antworten ist nicht, dass sie falsch sind.
Sondern dass sie immer genau dort anfangen, wo die eigentliche Frage aufhört. Ich wollte wissen: Gibt es eine Möglichkeit?
Ich bekam erklärt: Unter welchen Bedingungen ich keine habe. Aber ich kenne jemanden, bei dem es funktioniert hat. Ein Studium, gefördert vom AMS.
Das ist immer der Moment, in dem ein System kurz ins Wackeln kommt.
Wenn Realität und Standardantwort nicht ganz deckungsgleich sind. Also habe ich das erwähnt. Und plötzlich gab es ihn doch. Den Link.
Die Realität
FiT-Studiengänge. Frauen in die Technik. An der Hochschule Campus Wien.
Ein sehr schmaler Weg. Vorerst.
Einer, der offensichtlich existiert – aber nicht Teil der Antwort ist. Der eigentliche Unterschied kam später. Beim Infotag. Ein Raum, ein paar Tische, Menschen, die einem erklären, was möglich ist – ohne Paragraphen, ohne Abwehrhaltung. Dort habe ich zum ersten Mal verstanden, worum es eigentlich geht. Nicht um „Studium ja oder nein“.
Sondern um sehr konkrete, sehr spezifische Programme. Die Facharbeiterinnen-Intensiv-Ausbildungen (kurz FIAs), diverse Lehrberufe, Schulen, Universitäten, die man besuchen kann/darf, solange man den Aufnahmetest besteht. Zum Beispiel, dass es auch am FH Technikum geförderte Studiengänge gibt, nicht nur ausschließlich an der Hochschule Campus Wien. Auch das Kolleg an der HBLVA Rosensteingasse für Umweltanalytik und Umweltschutzmanagement sei unter anderem dabei, erfuhr ich.
Die Möglichkeiten
Das war plötzlich nicht mehr abstrakt. Das war etwas, das ich einordnen konnte.
Auch, weil ich schon an der Universität für Bodenkultur Wien Lebensmittel- und Biotechnologie studiert hatte. Es hatte etwas mit mir zu tun. Und vielleicht ist das der entscheidende Punkt:
Möglichkeiten wirken erst real, wenn sie konkret genug sind, dass man sich selbst darin erkennen kann.
Ich habe mich letztendlich dafür entschieden. Nicht weil das AMS mir gesagt hat, dass ich das soll. Sondern weil ich es zufällig dort gefunden habe, wo das System für einen Moment weniger wie das System funktioniert hat.
Das System
Ich glaube nicht, dass das Problem ist, dass es diese Programme nicht gibt. Das Problem ist, wie man zu ihnen kommt.
Zuerst: geht nicht.
Dann: Gesetz.
Dann: vielleicht – aber nur, wenn du schon weißt, wonach du suchen musst.
Es ist, als würde man in einem Labyrinth stehen und fragen, ob es einen Ausgang gibt. Und die Antwort ist:
Ja, aber nur, wenn du ihn schon kennst. Am Ende habe ich jetzt mehr als am Anfang. Nicht nur Informationen. Sondern eine Entscheidung.
Die Perspektivenerweiterungs-Phase habe ich direkt übersprungen in die Basis-Qualifizierung. Aber der Weg dorthin hatte nichts mit Orientierung zu tun.
Und sehr viel mit Zufall. Vielleicht ist das eigentliche Missverständnis dieses:
Ich habe gedacht, das AMS hilft dabei, Möglichkeiten zu finden.
Doch offensichtlich verwaltet das AMS Möglichkeiten, die man im besten Fall schon kennt. Und wenn man sie noch nicht kennt,
dann muss man zuerst lernen, wie man richtig fragt. Oder lange genug suchen, bis man zufällig auf die richtige Antwort stößt.
It is what it is!




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